Hätte ich das mal früher gewusst…

Inken Landes ist erst mit 49 Jahren in die Pflege gekommen. „Hätte ich diesen Schritt doch schon viel früher gemacht“, berichtet sie.

Die gelernte Friseurin wusste schon immer, dass sie gerne Menschen helfen möchte. Ihre zweite Ausbildung machte Inken Landes deshalb in der Kieferchirurgie als zahnmedizinische Fachangestellte. Bis ihr Chef verstarb, arbeitete sie in seiner Praxis. Dann suchte sie eine neue Herausforderung: als Hausfrau und Mutter mit einer geringfügigen Beschäftigung unter anderem in der Neurologie und Psychotherapie.

Erste Schritte

Nachdem ihre Ehe zerbrach und Inken Landes vieles in ihrem Leben hinterfragte, wollte sie auf eigenen Beinen stehen. „Gut gebrüllt, Löwe! Das war schwieriger als ich es mir vorgestellt habe“, berichtet sie. Sie begann in einer befristeten Anstellung in der Hauswirtschaft in einem Pflegeheim für Menschen mit Behinderungen. Leider wurde das Haus, in dem sie sich sehr wohlfühlte, verkleinert, Stellenanteile wurden gestrichen – und das Arbeitsverhältnis konnte nicht verlängert werden.

Dann sah Frau Landes eine Stellenanzeige des Paul Hannig Heims, in der Präsenzkräfte für die gerade neu gegründete Hausgemeinschaft für demenziell erkrankten Bewohnerinnen und Bewohnern gesucht wurden. Das war vor fünf Jahren. Im Bewerbungsgespräch stellte sich heraus, dass sie auch pflegerische Tätigkeiten durchzuführen hat. Als zahnmedizinische Fachangestellte hat sie die Grundqualifikation dafür. „Ich hatte keine Ahnung von Pflege“, berichtet sie. „Meine Lebenserfahrung hat mir aber geholfen, offen für die neuen Aufgaben zu sein. Die angenehme Atmosphäre hier im Haus hat mir außerdem den Schritt erleichtert.“ Sie hospitierte zwei Tage und sagt rückblickend: „Ich habe mich gefragt, warum ich das nicht von Anfang an gemacht habe. Ich kam auf den Wohnbereich und war da! Ich wusste immer sofort, was zu tun war.“

Gut drauf

Frau Landes mischt die Pflegekräfte und die Bewohner auf ihrem Wohnbereich mit ihrer lustigen und positiven Art auf. Auf die Frage, ob sie mal darüber nachgedacht habe, nochmal eine Fachausbildung zur Pflegekraft zu absolvieren, sagt die Pflegehelferin: „Warum sollte ich das tun? Ich assistiere den Pflegefachkräften und kann darüber hinaus vieles tun, was die Examinierten zeitlich nicht leisten können. Denn: Ich schenke den Bewohnerinnen und Bewohnern sehr viel Zeit und unterstütze und entlaste damit das Pflegeteam.“

Ihre Arbeit ist für Inken Landes ein Geschenk: „Ich gehe jeden Tag mit dem guten Gefühl nach Hause, dass ich viele Menschen glücklich gemacht habe.“ Sie schafft es, einen persönlichen Abstand zu ihrer Arbeit zu finden. „Arbeit bedeutet nicht nur Belastung, sondern auch Entlastung und Ablenkung von anderen Themen im Leben.“ Außerdem hilft es ihr, dass sie eine Teilzeitstelle hat. „Ich brauche auch Zeit für mich. Umso besser gelingt mir die Arbeit hier.“

Schwäche zeigen dürfen

Die sonst so fröhliche, energiegeladene Frau musste nur einmal bei ihrer Arbeit weinen: als eine 102-jährige Bewohnerin starb. Sie war ihr sehr ans Herz gewachsen. Das ging selbst der taffen, zähen Inken Landes nah.