Nachwuchskräfte finden und auch binden

 „Gute Arbeit – Gute Pflege“: Praktikumsbegleiterschulung

Nachwuchskräfte finden und auch binden – das ist ein wichtiges Ziel der Unternehmen in der Pflegebranche. Schulpraktika bieten eine große Chance, um potentielle Auszubildende zu gewinnen, gleichzeitig sind sie aber auch eine nicht zu unterschätzende Herausforderung. 

Denn die Art und Weise, wie ein Praktikum gestaltet wird, ist ausschlaggebend, um junge Menschen für einen Beruf in der Altenpflege zu begeistern. Die Frage ist daher: Wie kann man ein Praktikum gut gestalten und begleiten?

13  Mitarbeiter*innen unterschiedlicher Einrichtungen haben sich im Rahmen des Projektes „Gute Arbeit – Gute Pflege“ der Herausforderung gestellt und im ersten Workshop „Praktikumsbegleiterschulung“ gemeinsam Ideen erarbeitet.

Praktikum ist nicht gleich Praktikum

Neben dem klassischen Schulpraktikum in der Jahrgangsstufe 9 oder 10, das in der Regel zwei bis drei Wochen in Anspruch nimmt, gibt es auch die Berufsfelderkundung, bei der Schüler der Jahrgangstufe 8 nur einen Tag in den Betrieb hinein schnuppern. Um die Schüler an diesem Schnuppertag für den Pflegeberuf zu begeistern, ist von den Praktikumsbegleiter*innen sowohl Kreativität als auch Fingerspitzengefühl gefragt. Denn das Klientel, das durch Schulpraktika und Berufsfelderkundungstage angesprochen werden soll, stellt eine besondere Herausforderung dar. Teenager, die gerade mitten in ihrer Selbstfindungsphase stecken, sind oft schwer zu erreichen bzw. zu motivieren. Das trifft insbesondere auf die Arbeit in Pflegeberufen zu. Zu schlecht ist nach wie vor das Image – gerade in der Altenpflege.

In Zeiten des Fachkräftemangels muss es jedoch Ziel eines jeden Unternehmens sein, junge Menschen für sich zu begeistern. Dazu gehört auch, ein Praktikum so zu gestalten, dass die Schüler*innen nicht abgeschreckt werden und Erlebnisse zu schaffen, die positiv in Erinnerung bleiben. Der gemeinsame Workshop stand daher unter dem Motto „Eine positive Emotion, die bleibt“.

Am ersten Tag des Workshops stand das mehrwöchige Praktikum im Fokus. Die Teilnehmer*innen haben sich zu einem so genannten „World Café“ zusammengesetzt. In Kleingruppen wurde an Thementischen zu ausgewählten Fragestellungen ein Rahmenkonzept mit Erfahrungen und gemeinsamen Ideen gefüllt. Konkrete Voraussetzungen und Erwartungen der trägerspezifischen Ausgangssituation spielen dabei ebenso eine Rolle, wie die unterschiedlichen Erwartungen, die die Teilnehmer an zukünftige Praktikanten*innen haben – aber auch umgekehrt.

„Nicht ausgenutzt werden“

„Ich weiß selbst noch, wie schwer es zu Beginn meiner Ausbildung war. Daher wünsche ich mir, dass ich zukünftigen Praktikant*innen viel Positives aus meiner eigenen Erfahrung mitgeben kann“, sagt Sarah Schulz, die vor Kurzem ihre Ausbildung zur Pflegefachkraft abgeschlossen hat. „Und ich finde es sehr wichtig, dass sowohl Azubis als auch Schülerpraktikanten nicht ausgenutzt werden.“ Denn, so die 24-Jährige, ein Praktikum solle die Bewerber*innen für die Arbeit begeistern und nicht abschrecken.

An Tag zwei beschäftigten sich die potentiellen Praktikumsbegleiter*innen mit dem Berufsfelderkundungstag. Es wurde versucht, sich in die zukünftigen Praktikant*innen hineinzuversetzen, etwa mit welchen Gefühlen und Gedanken die etwa 14-jährigen Schüler*innen zu einem Praktikumstag in eine Einrichtung der Altenpflege kommen. In drei Gruppen wurde dann konkret erarbeitet, wie ein gelungener Praktikumstag für ein junges Mädchen, für einen männlichen Teenager und für eine kleine Gruppe von jungen Praktikanten aussehen könne.  Aber auch die Rolle, Verantwortung und Bedenken der zukünftigen Praktikumsbegleiter*innen wurden ausführlich erörtert. Dabei ist deutlich geworden, dass das Thema Zeit den meisten Teilnehmer*innen auf den Nägeln brennt. Zeit für eine vernünftige Vorbereitung und Durchführung der Praktikumsbegleitung. Dies könne nur dann gelingen, so waren sich die Teilnehmer*innen einig, wenn sie von Kolleg*innen und auch Vorgesetzten entlastet und unterstützt werden.

Zu Beginn der Praktikumsbegleiterschulung  eher skeptisch und (scheinbar) ideenlos, haben die Teilnehmer*innen an nur zwei Nachmittagen viele gute Ideen und Impulse erarbeitet und Erfahrungen ausgetauscht. Es wurde klar, dass die zukünftigen Begleiter*innen mit ihren Sorgen nicht alleine sind.

Um den Praktikumsbegleiter*innen und auch den Praktikant*innen den Start zu erleichtern, kann ein Praktikumsleitfaden eine große Hilfestellung sein. Auf der Basis der Ergebnisse der Schulungen soll daher sowohl für die Begleiter*innen als auch für die Praktikant*innen eine Praktikumsfibel erarbeitet werden.  So werden Erwartungen schon vor Praktikumsbeginn erörtert. Denn eine gute Vorbereitung ist auf beiden Seiten das A und O.