Mit 99 ist noch lange nicht Schluss

Vollblutverkäuferin, Heimbeirätin, Fußballfan.

Anna Eichmann (99) lebt seit 17 Jahren im Seniorenzentrum der AWO in Bottrop-Fuhlenbrock. Sie blickt auf bewegte Zeiten zurück und verrät uns ihr Rezept für ein langes Leben.

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Anna Eichmann und ihr Mann haben gemeinsam viel erlebt. Während des Krieges reiste die gebürtige Bottroperin ihrem Mann, der bei der Marine arbeitete, immer hinterher. Sie lebten für einige Zeit in Norddeutschland. In all den Jahren arbeitete Frau Eichmann als Verkäuferin in großen Warenhäusern. Das Ehepaar bekam ein Kind. Leider verstarb der Sohn, als er nicht einmal ein Jahr alt war. Danach blieb das Paar kinderlos. Nach dem Krieg zogen die beiden zurück nach Bottrop. Ihr Mann suchte sich eine Stelle als Elektriker, und Frau Eichmann blieb ihrem Beruf als Verkäuferin treu. Und zwar noch sehr lange. Doch dazu später mehr…

gagpab7592Ihr Mann verstarb mit 85 Jahren, und Anna Eichmann kam bald schon in ihren eigenen vier Wänden nicht mehr klar. Ein Bandscheibenvorfall und ein leichter Schlaganfall führten dazu, dass sie nicht mehr so mobil war. „Eins war klar: In meiner Wohnung konnte ich nicht mehr bleiben“, berichtet die 99-Jährige rückblickend. Schweren Herzens zog sie ins AWO Seniorenzentrum Bottrop-Fuhlenbrock ein. Doch die alte Dame, die früher so ungewöhnliche Hobbies wie Angeln und Motorradfahren hatte, wollte vom Altern nichts wissen und blieb weiterhin aktiv. „Wer rastet, der rostet“, sagt sie bestimmt. Der Vollblutverkäuferin juckte es in den Fingern, und so betrieb sie in der Einrichtung einen rollenden Kiosk und versorgte eine längere Zeit die Bewohnerinnen und Bewohner unter anderem mit Süßigkeiten. „Ich habe tolle Umsätze gemacht. Da kann sich so mancher Verkäufer eine Scheibe von abschneiden“, berichtet sie stolz.

gagpab7722Frau Eichmann war im Heimbeirat tätig und vertrat die Interessen der Bewohnerinnen und Bewohner. Sie begrüßte jeden persönlich, der neu einzog und kümmerte sich um die Menschen. 10 Jahre lang war sie im Tanzclub der Senioreneinrichtung aktiv. „Ich gehe gerne auf Menschen zu, das fiel mir immer schon leicht. Und mir war wichtig, dass sich die Leute hier wie zuhause fühlen.“, erklärt sie. Die alte Dame ist oft mit anderen Heimbewohnern in den Urlaub gefahren, da war Selbstversorgung gefragt. „Ich habe immer für alle gekocht. Einem passte am Ende des Urlaubs seine Hose nicht mehr“, lacht Frau Eichmann verschmitzt.

gagpab8028Über das Seniorenzentrum sagt sie: „Man wird gut verpflegt. Im Haus gibt es sehr viele Angebote und Ausflüge, und ich versuche so viel wie möglich zu nutzen. Man kann hier gut leben und gut alt werden.“ Zu besonderen Anlässen lädt sie ihre Nichten ein, wie zum Beispiel zum Spargelessen. Außerdem ist Frau Eichmann ein großer Fußball-Fan. Während der Fußball EM 2016 sah sie gemeinsam mit anderen Bewohnerinnen und Bewohnern alle Spiele der deutschen Nationalmannschaft.

Auf die Frage, welches Rezept sie für ein hohes Alter hat, erklärt die 98-Jährige: „Man muss zufrieden sein und das Leben so nehmen, wie es kommt.“

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