Traineeprogramm für den Führungsnachwuchs

In Konzernen wie Bertelsmann sind Traineeprogramme üblich und für den Führungsnachwuchs oft ein Muss. In der Pflegebranche ist das (noch) ein Novum. Im Nachwuchsprogramm „Führungskräfte von morgen“ der Diakoniestationen Essen können sich Pflegefachkräfte innerhalb von zwei Jahren in Führung erproben und werden dabei eng begleitet. Ein innovativer Weg, um später sicher und gut gerüstet das Steuer zu übernehmen.


Die Diakoniestationen Essen gGmbH besteht aus acht ambulanten Einrichtungen der häuslichen Kranken- und Altenpflege im Stadtgebiet von Essen. Das Unternehmen setzt bei der Personalentwicklung auf Weitblick, denn: Im Laufe der nächsten 10 Jahre werden viele Leitungskräfte der Diakoniestationen Essen in den Ruhestand entlassen. Es ist also Zeit zu handeln und um neue Führungskräfte zu entwickeln. Seit Anfang 2016 werden sieben Pflegefachkräfte auf zukünftige Führungsaufgaben vorbereitet. Ziel ist es, Pflegefachkräfte aus den eigenen Reihen und neu geworbene Mitarbeitende in Führung zu trainieren.

Alles andere als Trockenschwimmen

Das Traineeprogramm besteht aus einem Mix aus Schulungen und praktischen Anwendungen. Die Seminare werden dabei sowohl von eigenen Leitungskräften als auch von externen Experten durchgeführt. Zielführende, wertschätzende Kommunikation wird dabei genauso trainiert wie die eigene Rolle als Führungskraft, Mitarbeitergespräche und Mitarbeiterführung. „Die Teilnehmerinnen gehen hoch motiviert an die Sache heran“, zieht Karla Geyr, Prokuristin und Pflegedirektorin, eine erste Bilanz. „Man bekommt einen anderen Blick auf Führung und wird sicherer“, erklärt Kirsten Stevens, Teilnehmerin des Programms.

„Die Praxis bringt’s“

Zwischen den Seminaren kommt die Praxis. Die Trainees können den Leitungskräften in Führungsaufgaben über die Schulter schauen und in gemeinsamen Gesprächen reflektieren, wie sie bestimmte Situationen aus Sicht einer Führungskraft angehen würden. Auch ein Anteil an Selbsterfahrung steht auf dem Programm. „Ich nehme mir vor, alles das besser zu machen, was ich bei anderen Führungskräften nicht so positiv erlebt habe“, berichtet Kirsten Stevens.

Als Führungskraft lernt man auch, einen guten Kontakt zu den Kundinnen und Kunden herzustellen, beispielsweise wenn es im Rahmen von Pflegevisiten darum geht, den aktuellen Bedarf abzufragen. „Man lernt, eine gute Gesprächsatmosphäre zu schaffen und die Situation aufzulockern“, berichtet Kirsten Stevens.

„Ich darf auch sagen, wenn Führung nichts für mich ist“

In den zwei Jahren können sich die Leitungskräfte von morgen in Ruhe auf ihre zukünftige Rolle vorbereiten. Das Geschäftsführungs- und Leitungsteam steht in einem engen Kontakt zu den Teilnehmenden und erhält direkte Rückmeldungen zum Nachwuchsführungsprogramm. „Wenn man merkt, das ist nichts für einen, dann kann man auch aussteigen“, erklärt Karla Geyr. Denn, so Kirsten Stevens: „Ich sehe heute, dass Führung nicht einfach ist und dass es vieles zu beachten gilt.“